Wann und warum muss Heizungswasser aufbereitet werden?

  • Warum es die Anforderungen gibt
  • Mögliche Schäden und deren Hintergründe
  • Kennwerte der Qualität im Überblick
  • Methoden zur Behandlung

Heizungswasser ist nicht nur Wasser, dass man aus der Leitung nehmen kann. Für den einwandfreien Betrieb ihres Systems gibt es gewisse Anforderungen an die Qualität des Wassers. Diese Anforderungen sind in der VDI 2035 – Vermeidung von Schäden in Warmwasser-Heizungsanlagen – geregelt. Sind diese Anforderungen nicht erfüllt entfällt womöglich die Garantie des Herstellers und es können Schäden entstehen. Um das zu verhindern sollte ihr Heizwasser, bei jeder Befüllung überprüft und womöglich aufbereitet werden. Worauf dabei zu achten ist erklären wir ihnen in dem heutigen Beitrag.

Warum es die Anforderungen gibt

Das Heizwasser soll ohne einen hohen Energieverlust die Wärme vom Kessel zum Heizkörper übertragen. Damit ein Reibungsloser Ablauf dieses Vorganges gewährleistet werden kann muss das Wasser eine bestimmte Zusammensetzung haben. Ihr Heizungssystem besteht mit hoher Wahrscheinlichkeit aus verschiedenen Materialien wie Metallen und Kunststoffen die unterschiedliche Chemische Eigenschaften aufweisen. Damit diese nicht mit dem Wasser reagieren ist einiges zu beachten. So kann besonders hartes Wasser dazu führen, dass es zur Steinbildung kommt. Eine zu hohe elektrische Leitfähigkeit kann Korrosion an den verschiedenen Metallen verursachen.

Mögliche Schäden und deren Hintergründe

Korrosion und Steinbildung sind die Hauptursachen für eine schlechte Wärmeübertragung und Schäden am Heizungssystem. Aber warum entstehen diese überhaupt? Korrosion entsteht, wenn gewisse Stoffe, die in den Bestandteilen einer Anlage verbaut sind, mit dem Wasser reagieren. Dies kann zu Rissen und dem Ablösen von Kleinstpartikeln führen. Aus den Rissen kann Wasser austreten und zu Brüchen führen. Die Folgen von solchen Schäden sind sehr hohe Kosten der Reparatur. Die abgeschiedenen Partikel führen zu Verstopfungen, die die Wärmeübertragung verschlechtern. Steinbildung ist die Ablagerung von Inhaltsstoffen, auf den Wänden der Heizkörper. Die Folge ist unerwünschter Energieverlust beim Heizen, wobei man von einem Energieverlust von 10% auf 1mm Beschichtung ausgehen kann.

Kennwerte der Qualität

Wasserhärte

Das Wasser ist besonders hart, wenn sich zu viele Calcium- und Magnesium-Ionen im Wärmeträger befinden. Ist der Wert zu hoch wird die Steinbildung begünstigt.

pH-Wert

Dieser Wert gibt Aufschlüsse über den Säuregehalt des Wassers. Da Stoffe wie Aluminium empfindlich für niedrige pH-Werte sind kann es zu Korrosion kommen.

Leitfähigkeit

Befinden sich besonders viele Metalle im Wasser ist auch die elektrische Leitfähigkeit höher. Diese Metalle begünstigen sowohl die Korrosion als auch die Steinbildung.

Methoden zur Behandlung des Heizwassers

Die VDI 2035 gibt 4 verschiedene Verfahren, die jeweils unterschiedliche Ziele haben, zur Auswahl. Welches Verfahren angewendet werden muss hängt von Faktoren wie der Qualität des Trinkwassers und dem Zustand ihrer Heizungsanlage ab. Der Fachmann kann anhand dieser Faktoren und den Richtwerten der VDI 2035 entscheiden welches Verfahren das Beste für sie ist.

Enthärtung

Calcium- und Magnesium-Ionen werden durch Natrium-Ionen ausgetauscht, die ein weitaus geringeres Risiko für die Steinbildung darstellen. Elektrische Leitfähigkeit und pH-Wert bleiben jedoch unverändert.

Entsalzung

Die Entsalzung entfernt jegliche Mineralstoffe und Salze aus dem Wasser. Dabei wird die elektrische Leitfähigkeit heruntergesetzt, was die Elektrolyse bedingte Korrosion verhindert. Allerdings ist darauf zu achten, dass vollständig entsalztes Wasser, vergleichbar mit einem Schwamm, Salze und Mineralien aus den Bauteilen saugt. Das macht den erwünschten Effekt zunichte. Auch der pH-Wert wird durch die Entsalzung verändert. Um diesen Effekten entgegen zu wirken verwendet man Inhibitoren.

Härtefällung

Zusatzstoffe verursachen das Abfallen der steinbildenden Stoffe, als Schlamm. Dieser Schlamm muss im Anschluss entfernt werden, was einen zusätzlichen Arbeitsaufwand mit sich bringt.

Härtestabilisierung

Auch die Härtestabilisierung hat das Ziel, die Steinbildung zu verhindern. Dabei wird dem Wasser zusätzliche Stoffe hinzugefügt, die das Abscheiden von Calcium- und Magnesium-Ionen verlangsamen. Die Steinbildung wird also nur hinausgezögert.

Die Härtefällung und Härtestabilisierung sind allerdings recht unbeliebte Methoden die nur seltenen Fällen benutzt werden.

Fazit

Die Aufbereitung des Heizungswassers ist notwendig um Schäden, durch Korrosion und Steinbildung vorzubeugen. Die Qualität des Trinkwassers und der Zustand der Anlage sind ausschlaggebende Faktoren, zur Ermittlung der notwendigen Maßnahmen. Das Befüllen einer Anlage, egal ob bei der Installation oder der Wartung ist der richtige Zeitpunkt um die, in der VDI 2035 vorgegebenen Werte zu kontrollieren und eventuell eine Behandlung vorzunehmen.

Autor: Jan Bittner